Wenn das Ursprüngliche zur Zukunft wird – Rückzüchtung als Vergleich der besonderen Art
Annette Schnabel, Bettina ÜlpenichZusammenfassung
Angesichts der globalen Biodiversitätskrise steigt die Faszination für sogenannte Rückzüchtungsprojekte. Rückzüchtungen sind jedoch nicht nur biogenetische Projekte, sondern darüber hinaus kulturelle und soziale Konstruktionen, an denen sich viel über unsere Beziehung zu Vergangenheit, Natur und (vermeintlicher) Ursprünglichkeit ablesen lässt. Dieser Beitrag ordnet Rückzüchtungen in eine Soziologie des Vergleichens ein. Er zeigt anhand der Selbstdarstellungen der Rückzüchtungsprojekte von Tarpan, Mammut, Quagga, Auerochsen und Deutschem Weideschwein, dass die im Kontext dieser Projekte herangezogenen Vergleiche epistemisch instabil sind und ein ganzes Verweissystem aufbringen müssen, um die Leerstelle, mit der nicht mehr verglichen werden kann – nämlich dem ausgestorbenen Tier – abzusichern. Nicht zuletzt geht es dabei aber auch um eine imaginäre Vergangenheit als Schlüssel der symbolischen Herstellung von Natur in modernen Gesellschaften.