Vom Kompetenzkatalog zur Systemverantwortung: Future Skills und die Neuverortung der Technikkommunikation
Constance RichterAbstract
Die Technikkommunikation steht angesichts der rasanten technologischen und gesellschaftlichen Transformation an einem Wendepunkt: Klassische Kompetenzmodelle, die auf stabile Tätigkeitsprofile ausgerichtet sind, stoßen bei der Abbildung dynamischer Veränderungsprozesse zunehmend an ihre Grenzen. Der vorliegende Beitrag analysiert vor diesem Hintergrund die Entwicklung der Future-Skills-Frameworks des Stifterverbands in den Iterationen zwischen 2018 und 2030. Es wird gezeigt, dass sich nicht nur die Kompetenzinhalte, sondern vor allem auch deren strukturelle Einbettung und normative Reichweite verändern: Der Fokus verschiebt sich von der additiven Auflistung einzelner technischer Fertigkeiten hin zu relationalen, systemorientierten Handlungsdispositionen. Um diese Komplexität für die berufliche Praxis handhabbar zu machen, wird ein methodischer Ansatz vorgestellt, der Future Skills nicht als statischen Anforderungskatalog, sondern als dynamischen Diskursraum begreift. Durch den Einsatz von LEGO ® Serious Play ® und einer spezifischen Kategorisierungsmatrix wird ein reflexives Format geschaffen, das die „Lern-Passivität“ durchbricht und Technisches Kommunikationspersonal zur aktiven Kuration des eigenen Kompetenzprofils befähigt. Der Beitrag schließt mit dem Plädoyer, Kompetenzentwicklung in der Technikkommunikation als kontinuierlichen Prozess des „Selbst-Schreibens“ beruflicher Curricula zu verstehen, in dem das Aushandeln von Verantwortung zur zentralen Kernkompetenz wird.