DOI: 10.1515/vfzg-2026-0024 ISSN: 2196-7121

Umkämpftes Erbe

Anna Corsten

Abstract

Anna Corsten analysiert den Konflikt um ein schwieriges, aber ressourcenreiches Erbe: das Vermögen des Deutschen Reichs, dessen Streitkräfte im Mai 1945 kapituliert hatten. Wem dieses Vermögen gehörte, war heftig umstritten: Waren es die Länder, die das Vakuum fehlender National-Staatlichkeit zwischen 1945 und 1949 gefüllt hatten, oder war es der Bund, der zentralstaatliches Profil gewinnen und seinen Handlungsspielraum ausdehnen wollte? Insbesondere Bayern, das auf seine Eigenstaatlichkeit bedacht war, setzte den Forderungen aus Bonn entschiedenen, wenn auch letztlich nur teilweise erfolgreichen Widerstand entgegen. Die Autorin versteht den Konflikt um das Reichsvermögen als einen Kristallisationspunkt der Staatsbildungs- und Demokratisierungsgeschichte der Bundesrepublik. Sie zeigt, wie materielle Verteilungskonflikte mit Auseinandersetzungen verknüpft waren, die Wirtschafts- und Sozialpolitik, das föderative System und die Deutung der NS-Vergangenheit tangierten. Dabei wird deutlich, dass das Reichsvermögen nicht nur Verwaltungsobjekt, sondern zentrales Medium konkurrierender Legitimations- und Ordnungsvorstellungen war.

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