DOI: 10.1515/tw-2026-0029 ISSN: 1867-9501

„Sonst hätten wir hier Leerstände“? Tourismus als moderierender Faktor gegen den Rückgang von Einzelhandel und Gastronomie in kleinstädtischen Innenstädten

Leonie Plänkers, Claus Theodor Müller

Zusammenfassung

Tourismus gilt für Kommunen als Hoffnungsträger zur Steigerung wirtschaftlicher Prosperität und lokaler Lebensqualität. Insbesondere Kleinstädte erhoffen sich dabei zusätzliche Kundschaft für stationären Einzelhandel und Gastronomie in ihren Innenstädten, die der Strukturwandel dieser Branchen häufig vor große Herausforderungen stellt. Doch inwiefern ist der Tourismus in der Lage, in Kleinstädten als moderierender Faktor auf den allgemein rückläufigen Trend innenstädtischer Angebote einzuwirken? Diese Frage wird anhand dreier Kleinstädte in Hessen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine solche moderierende Funktion des Tourismus maßgeblich von dessen Intensität und Form abhängt. Während das hohe Tourismusniveau in Rüdesheim am Rhein für eine Touristifizierung der Innenstadt sorgt, in der Einheimische kaum noch relevante Angebote finden, gehen mit den vergleichbar niedrigen Übernachtungszahlen in Steinau an der Straße und Bad König unterschiedliche Entwicklungen einher: In Steinau lässt der Kulturtourismus keine Auswirkungen auf Einzelhandel und Gastronomie erkennen, während Bad König mit der Odenwaldtherme als regionalem Frequenzbringer durch zusätzliche Nachfrage über eine bessere Versorgung und Angebote verfügt. Tourismus als Strategie zum Erhalt vitaler kleinstädtischer Zentren zeigt sich somit nur sehr begrenzt wirksam.