Semiotische Perspektiven auf mathematische Lernprozesse
Christof Schreiber, Melanie HuthZusammenfassung
Die Semiotik von Charles Sanders Peirce bietet eine zeichentheoretische Perspektive, um mathematische Aktivitäten von Lernenden als diagrammatische Tätigkeit unter Verwendung verschiedener Arten von Zeichen zu betrachten. Im Beitrag wird dieser theoretische Ansatz zur Entwicklung und Anwendung der Semiotischen Prozess-Karten als Analyseinstrument genutzt. Diese Karten sind grafisch gestaltet und ermöglichen eine detaillierte Rekonstruktion des Zeichenprozesses, der während mathematischer Interaktionen emergiert und sich anhand des Gebrauchs verschiedener Ausdrucksweisen der Beteiligten zeigt. Dabei eignet sich die Peirce’sche Semiotik dazu, Zeichenrelationen aufzuzeigen und den Fokus auf die Zeicheninterpretation zu richten. Mathematische Erkenntnisse von Lernenden, ihr Zeichengebrauch und verschiedene Zeichendeutungen können so rekonstruiert werden. Im Beitrag wird die Verwendung der Zeichentheorie in zwei Forschungsprojekten zum Mathematiklernen in der Grundschule vorgestellt: Das erste Projekt richtet den Fokus auf schriftlich-grafische Darstellungen. Im zweiten Projekt werden Gesten in Relation zur gleichzeitig erzeugten Lautsprache von Lernenden rekonstruiert.