„Recht im Anthropozän“ – ein Problemaufriss
Johan Horst, Doris SchweitzerZusammenfassung
Dieser Aufsatz stellt eine Forschungsperspektive für den Umgang mit dem Wandel des „Recht im Anthropozän“ vor. Diese Forschungsperspektive geht von der Annahme aus, dass das Recht im Anthropozän weit mehr meint als die regulatorischen Herausforderungen des Umgangs mit der ökologischen Polykrise. Recht ist nicht nur etwas, das auf die Herausforderungen des Anthropozäns als Instrument zur Lösung der ökologischen Krise antwortet. Recht ist vielmehr auf grundlegender Ebene mit dem Anthropozän verstrickt, da es das Anthropozän mit hervorbringt und unsere Vorstellungen davon formt. Das Verhältnis von Recht und Anthropozän gestaltet sich demnach ungleich vielschichtiger. Um dies zu fassen, wird das Anthropozän als Reflexionsbegriff profiliert, der spezifische Spannungslagen in sich trägt. Im Recht treten diese Spannungslagen insbesondere auf der grundbegrifflichen Ebene als Transformationen von Subjektivität, Materialität und Verantwortung zutage. Auf dieser Basis schlagen wir eine Analytik mit den drei Analyseebenen des ‚Anthropozäns im Recht‘, des ‚Rechts im Anthropozän‘ sowie des ‚Rechts für das Anthropozän‘ vor, um die verschiedenen Ebenen der Verstrickung von Recht und Anthropozän intelligibel zu machen. Diese Analytik wird sich am empirischen Material beweisen müssen, d. h. daran, ob sie in der Lage ist, die konkreten Transformationen des Rechts und seine Wechselwirkungen mit dem Anthropozän sinnvoll zu erschließen.