Politisierung der Handelssprache : Eine korpusbasierte Analyse zum semantischen Strukturwandel des China-Narrativs im Europäischen Parlament
Nana Pang, Ruining Jiang, Xiaoyan LiZusammenfassung
Vor dem Hintergrund globaler Handelskonflikte stehen die Begriffe „Dumping“, „Überkapazitäten“ und „Subventionen“ im Zentrum handelspolitischer Auseinandersetzungen. Die vorliegende Studie analysiert den semantischen Wandel dieser drei Schlüsseltermini anhand der Plenardebatten des Europäischen Parlaments von der fünften bis zur neunten Wahlperiode (1999–2024). Methodisch werden Wortvektormodelle zur Quantifizierung semantischer Nachbarschaften mit einer Hauptkomponentenanalyse kombiniert, um diachrone Verschiebungsmuster zu erfassen und zu visualisieren. Die Ergebnisse belegen einen signifikanten Bedeutungswandel. Während die Begriffe anfangs primär sachbezogen und deskriptiv verwendet wurden, ist eine zunehmende Politisierung ihrer Verwendung zu beobachten. Diese Entwicklung ist nicht als neutraler Prozess zu verstehen, sondern steht im Zusammenhang mit dem strategischen Versuch der EU, eigene normative Rahmungen gegenüber China diskursiv durchzusetzen. Die drei Begriffe fungieren somit als diskursive Ressourcen, mit denen Deutungshoheit über die EU-China-Handelsbeziehungen beansprucht wird. Besonders in Debatten, in denen die EU China einseitig und ungerechtfertigt als sogenannte „Nichtmarktwirtschaft“ etikettiert, sowie Chinas legitime grüne Transformation infrage stellt, erhalten die Begriffe in wachsendem Maße eine protektionistische Bedeutung. Damit erweitert die Studie das Verständnis des europäischen China-Diskurses und liefert empirische Grundlagen zur Analyse der sprachlichen Formierung von Handelskonflikten und Machtverhältnissen.