DOI: 10.1515/mks-2026-0006 ISSN: 0026-9301

Politikerinnen und Politiker im Visier: Wie Deprivation politisch motivierte Straftaten beeinflusst

Sarah Bitschnau

Zusammenfassung

Anfeindungen und Übergriffe auf politische Amts- und Mandatstragende sind in vielen Demokratien ein ernstzunehmendes Phänomen mit Folgen für Betroffene, demokratische Prozesse und Institutionen. Aufbauend auf dem objektiven Deprivationskonzept untersucht dieser Beitrag aus Makroperspektive, inwiefern objektive sozialräumliche Deprivation mit Politisch motivierter Kriminalität gegen Politiker*innen auf Gemeindeebene in Deutschland zusammenhängt. Auf Grundlage polizeilicher Hellfelddaten aus den Jahren 2019 bis 2023 werden Prävalenz und Inzidenz entsprechender Straftaten als konzeptionell unterscheidbare Facetten desselben Phänomens getrennt mittels Regressionsmodellen analysiert.

Die Ergebnisse zeigen ein weitgehend gegenläufiges Muster: Sozioökonomische Deprivation ist signifikant positiv mit der Prävalenz, jedoch negativ und nicht signifikant mit der Inzidenz assoziiert. Infrastrukturelle Deprivation, geringe Wahlbeteiligung und sozialstrukturelle Deprivation zeigen hingegen signifikant negative Zusammenhänge mit der Prävalenz, aber signifikant positive Zusammenhänge mit der Inzidenz. Zudem zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: Im Vergleich zur Referenzregion West-/Norddeutschland zeigt sich für Ostdeutschland sowohl bei der Prävalenz als auch bei der Inzidenz ein signifikant positiver Zusammenhang, für West-/Süddeutschland hingegen ausschließlich bei der Inzidenz. Die Befunde deuten darauf hin, dass verschiedene Dimensionen objektiver sozialräumlicher Deprivation nicht einheitlich, sondern je nach Facette unterschiedliche, teils gegenläufige Zusammenhänge mit Politisch motivierter Kriminalität gegen Politiker*innen aufweisen können.

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