Kognitive Verzerrungen im Anlageverhalten deutscher Privatanleger
Alexander Alscher, Tonio RüttersZusammenfassung
Die Studie untersucht den Einfluss kognitiver Verzerrungen deutscher Privatanleger im Bereich Behavioral Finance auf Basis eines experimentellen Forschungsdesigns. In einem Online-Experiment wurde die Portfolio-Allokation und Anlageentscheidungen für ein fiktives Portfolio auf Basis realer Marktdaten untersucht. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei nur die Testgruppe gezielte Informationsreize erhielt, um kognitive Verzerrungen wie Overconfidence, Herdenverhalten, Anker- und Dispositionseffekt zu testen. Theoriekonform zeigt Overconfidence eine erhöhte Selbsteinschätzung mit einer risikoreicheren Portfolioaufstellung und einer höheren Investitionsquote. Herdenverhalten und der Ankereffekt in der Anlageentscheidung konnten nur tendenziell beobachtet werden. Entgegen der Prospect Theory trennten die Teilnehmer sich schneller von Verlusten als von Gewinnen, was zukünftige Forschungsarbeiten über kontextuelle Marktfaktoren von kognitiven Verzerrungen motiviert.