DOI: 10.1515/tw-2026-0003 ISSN: 1867-9501

Jenseits der Nachhaltigkeit? Regenerative Ansätze im Tourismus zwischen Theorie und Praxis – Einblicke aus dem Allgäu

Verena Lorenz, Martin Balas

Zusammenfassung

Angesichts globaler ökologischer und sozialer Krisen stößt das Leitbild des nachhaltigen Tourismus zunehmend an seine Grenzen. In diesem Kontext gewinnen regenerative Ansätze an Bedeutung, die über die Reduktion negativer Effekte hinausgehen und auf die aktive Wiederherstellung sozialer und ökologischer Systeme abzielen. Der Beitrag untersucht regenerative Tourismusansätze aus theoretischer und empirischer Perspektive und analysiert deren Konzeptualisierung sowie Potenziale und Barrieren ihrer Umsetzung im Allgäu.

Theoretisch stützt sich der Bericht auf die Living-Systems-Theorie, die Destinationen als komplexe sozioökologische Systeme begreift. Empirisch basiert die Untersuchung auf einer qualitativen, explorativen Studie, die eine Dokumentenanalyse internationaler Praxisbeispiele mit fünf leitfadengestützten Experteninterviews im Allgäu kombiniert. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse.

Die Ergebnisse zeigen, dass im Allgäu Ansatzpunkte für regenerative Tourismuspraktiken bestehen, insbesondere im Bereich naturnaher Angebote, regionaler Identitätsbildung und punktueller Beteiligungsprozesse. Gleichzeitig werden strukturelle Barrieren sichtbar, vor allem institutionelle Pfadabhängigkeiten und wachstumsorientierte Zielsysteme, die eine umfassende Implementierung regenerativer Ansätze erschweren. Regenerative Tourismusentwicklung wird derzeit überwiegend als konzeptioneller Orientierungsrahmen verstanden und weniger als klar operationalisiertes Handlungskonzept; die Umsetzung hängt maßgeblich von institutionellen Rahmenbedingungen und geteilten Verständnissen regenerativer Zielsetzungen ab.

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