DOI: 10.1515/vfzg-2026-0023 ISSN: 2196-7121

Im Zerrspiegel

Thomas Schlemmer

Abstract

Am 8. September 1943 wurde der Waffenstillstand zwischen dem Königreich Italien und den Alliierten verkündet. Das Land schied damit aus der faschistischen Kriegsallianz aus, auch wenn die „Achse“ über Benito Mussolinis Repubblica Sociale Italiana bis Mai 1945 fortbestand. Das Deutsche Reich wertete den Waffenstillstand als Verrat, reagierte mit aller Härte, ließ weite Teile Italiens besetzen und führte hunderttausende italienische Soldaten in Gefangenschaft. Die Jahre zwischen 1943 und 1945 bilden so etwas wie den Tiefpunkt der deutsch-italienischen Beziehungen, zumal die deutsche Kriegführung in Italien von zahlreichen Kriegsverbrechen begleitet war. Krieg und Besatzung hinterließen tiefe Spuren, die bis heute nachwirken – und sich vor allem in Krisenzeiten immer wieder Bahn brechen. Dabei spielen negativ aufgeladene Soldatenbilder eine herausgehobene Rolle, und es ist erklärungsbedürftig, warum sie sich mehr als achtzig Jahre nach Kriegsende noch immer reaktivieren lassen. Thomas Schlemmer spürt den Agenten der Persistenz in der Bundesrepublik nach und weist dabei der militärhistorischen Trivialliteratur eine wichtige Rolle zu.

More from our Archive