DOI: 10.1515/zee-2026-0010 ISSN: 2197-912X

„Gut ist, Leben erhalten und Leben fördern“. Schweitzers Konzeption der ‚Ehrfurcht vor dem Leben‘ als Utopie und ihre Bedeutung für die ökologische Ethik

Cornelia Mügge

Zusammenfassung

Albert Schweitzers Konzeption der Ehrfurcht vor dem Leben ist einer der bekanntesten ökoethischen Entwürfe der evangelisch-theologischen Tradition. Dennoch spielt sie in aktuellen ethischen Debatten kaum eine Rolle, was wesentlich daran liegt, dass sie als nicht umsetzbar und zu radikal gilt. Der Beitrag schlägt vor, sie als eine Utopie zu deuten und ihre Bedeutung für die Ethik neu zu erschließen. Als Utopie eröffnet sie eine vom Status quo radikal unterschiedene Vorstellung des solidarischen Zusammenlebens von Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen und kann dadurch kritische, konstruktive und motivierende Impulse für ökoethische Debatten geben. Konkrete Normen können und dürfen hingegen nicht von ihr erwartet werden. Verstanden als Utopie, so die These, kommt Schweitzers Konzeption der Ehrfurcht vor dem Leben auch heute eine wichtige Rolle für den ökoethischen Diskurs zu.