DOI: 10.1515/fabula-2026-0014 ISSN: 1613-0464

Grimms Märchen im Werk von Georg Groddeck

Tomasz Małyszek

Zusammenfassung

Die Märchen der Brüder Grimm dienten in der Psychoanalyse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig als Demonstrationsobjekte in Überlegungen zur menschlichen Psyche. Im Falle von Georg Groddeck wurden sie Teil seiner Romane, vor allem aber seiner Vorträge, die er zwischen 1916 und 1919 in seinem privaten Sanatorium in Marienhöhe in Baden-Baden im Kontext der sich damals entwickelnden Psychosomatik hielt. Groddeck verlieh damals den traditionellen Motiven aus so bekannten Märchen wie Rotkäppchen , Aschenputtel , Der Wolf und die sieben Geißlein , Der gestiefelte Kater , Der Fischer und seine Frau und Drei Männlein im Walde eine neue Bedeutung, die sich auf Fragen der Krankheit als enge Verbindung zwischen Psyche und Soma bezog, wobei dieser „wilde Analytiker“, der als Abtrünniger der klassischen Psychoanalyse galt, die Wirksamkeit einer fast göttlichen Instanz im Menschen – des Es – zum Ausgangspunkt machte. Ziel dieses Artikels ist die Synthese und Analyse dieser heute vergessenen Episode in der Geschichte der Märchenforschung, dank der die Märchen der Brüder Grimm in psychosomatische und individuelle/ private Episoden aus Groddecks Leben eingeordnet und wieder Teil der mündlichen Überlieferung wurden, diesmal in Form von (para)wissenschaftlichen Vorträgen für das Sanatoriumspublikum. Gleichzeitig geht es auch darum, zu analysieren, inwieweit die Poetik des Märchens den Stil der Argumentation und die Darstellung psychosomatischer Phänomene in Groddecks Überlegungen beeinflusst hat, wodurch seine Ausführungen zu einer Art metaphorischer Sprache wurden, die er selbst als ein „abenteuerliches Märchenerzählen“ bezeichnete.

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