Genius der Dichtung: Eine Vergleichsstudie zwischen der chinesischen Erzählung „Jiang Lang Cai Jin“ und den deutschen Satiren „Der Pinsel Mingʼs“
Jiawei Qian, Fan ZhangZusammenfassung
Adolf Ellissens Ballade „Der Pinsel Mingʼs“ (1840), Hans Hopfens Verserzählung Der Pinsel Mingʼs (1864) und Hanns von Gumppenbergs Komödie Der Pinsel Ying’s (1914) handeln allesamt vom Schicksal eines chinesischen Dichters, der einen Zauberpinsel erhält und später wieder verliert. Besitzt er den Pinsel, gilt er als ein begnadeter Poet; verliert er ihn, wird er zum talentlosen Stümper. Diese drei deutschen Satiren über den Pinsel Mingʼs weisen Parallelen zu der chinesischen Erzählung „Jiang Lang Cai Jin“ auf, die ähnliche Vorstellungen chinesischer und deutscher Schriftsteller vom Genius der Dichtung veranschaulichen. Während Jiang Yans fünffarbiger Pinsel das literarische Talent symbolisiert, bei dem die Begabung die Hauptrolle und die Bildung die Nebenrolle spielt, verkörpert der Pinsel Ming’s bzw. der Pinsel Ying’s die göttliche Inspiration. Diese Zauberpinsel sind im Wesentlichen göttlichen Ursprungs. Trotzdem offenbaren ihre Rezeptionen offenkundige Differenzen, geprägt von divergenten literarischen Gedanken und gesellschaftlichen Kontexten in China und Deutschland.