DOI: 10.1515/tw-2025-0025 ISSN: 1867-9501

Freiwilligentourismus aus der Perspektive von Ethik und Moral

Nathalie Stübler, Ralf Vogler

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag bietet eine konzeptionelle und vergleichende Analyse des Freiwilligentourismus aus ethischer Perspektive. Während sich die bestehende Forschung überwiegend auf die Motivationsfaktoren der Freiwilligen sowie auf die wahrgenommenen Auswirkungen dieser Tourismusform konzentriert, fehlt es häufig an einer philosophisch-ethischen Rahmung. Auf der Grundlage zentraler ethischer Theorien des Utilitarismus, der Deontologie, der Verantwortungsethik, der Tugendethik sowie des ethischen Egoismus und des Hedonismus werden drei akteursbezogene Dimensionen untersucht: die Motivation und das moralische Selbstverständnis der Freiwilligen, die Auswirkungen auf die lokalen Gemeinschaften sowie die Rolle der vermittelnden Organisationen.

Die Analyse verdeutlicht, dass Freiwilligentourismus von einer ungleichen Verteilung der Akteursrollen geprägt ist, insbesondere im Kontext neokolonialer Strukturen und des White Saviorism. Während Freiwillige und westliche Organisationen als aktive Akteure auftreten, werden lokale Gemeinschaften häufig auf die Rolle passiver Hilfsempfänger reduziert. Der Artikel argumentiert, dass die ethischen Konfliktlagen im Freiwilligentourismus nicht auf das Fehlverhalten Einzelner reduziert werden können, sondern vielmehr Ausdruck struktureller Machtasymmetrien und begrenzter Partizipation lokaler Gemeinschaften sind. Abschließend wird für eine stärkere Einbeziehung lokaler Perspektiven in Theorie und Praxis argumentiert, um der Reproduktion von Stereotypen entgegenzuwirken.