DOI: 10.3390/cardiovascmed5040024 ISSN: 1664-204X

Fünfzig Jahre Koronarangiographie

Paul R. Lichtlen

Der erste Versuch der Darstellung der Koronararterien mittels eines Kontrastmittels wurde durch Werner Forssmann, 1929, vorgenommen. Dazu führte er im Krankenhaus Eberswalde, nahe bei Berlin, einen Selbstversuch durch, indem er über die linke Brachialvene einen Uretherenkatheter bis in den rechten Vorhof einführte und zum Beweis eine Röntgenaufnahme des Thoraxes im Stehen aufnehmen liess. Nahmhafte Ärzte, u.a. der bekannte deutsche Chirurg Sauerbruch, missbilligten aber dieses Vorgehen, so dass Forssmann dieses Unternehmen bald wieder aufgab. Die erste Katheterisierung des rechten Vorhofes und Ventrikels am Menschen wurde dann erst 1941 durch den Pulmonologen André Cournand zusammen mit dem Kliniker Dickinson Richards und H. A. Ranger 1941 durchgeführt. Die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts war durch eine rasche Zunahme der Arteriosklerose geprägt, die bald zum wichtigsten ökonomischen und medizinischen Problem wurde. Die Einführung der Angiokardiographie in den 50er Jahren, vor allem die supraventrikuläre Kontrastmittelinjektion durch Celho, Diguglielmo, Dotter und Nordenström, war deshalb dringend notwendig. Der entscheidende Fortschritt kam erst 1959 durch den Pädiater Mason Sones, an der Cleveland Clinic, aufgrund eines Zufalls. Dabei glitt ein lege artis in die Aorta ascendens plazierter Angiokardiographiekatheter unbemerkt in die rechte Koronararterie, wobei die gesamte Kontrastmittelmenge problemlos in dieses Gefäss injiziert wurde. Mason Sones erkannte sofort den grossen Vorteil der selektiven Kontrastmittelverabreichung in die verschiedenen Kranzgefässe. Sones und sein Mitarbeiter Earl Shirey änderten darauf die Koronarographietechnik derart, dass der Katheter durch die rechte Arteria brachialis in die Aorta ascendens und von dort bis in die entsprechende Koronararterie zur Kontrastmittelinjektion geführt wurde. Von 1959 bis 1962 wurden auf diese Weise in der Cleveland Clinic über 2000 Patienten koronarangiographiert, und ab 1960 wurde durch W. B. Kouwenhoven auch noch die externe Kardioversion ermöglicht. 1967 vollendete schliesslich der Radiologe Melvin Judkins von der Universität Oregon durch die Einführung der Punktion der Femoralarterie, statt der Freilegung der Brachialarterie, die technische Seite. In Europa erfolgte die Einführung erst 1965 durch den Autor, wobei sich die Koronarangiographie über längere Zeit aber nur langsam ausbreitete. Mason Sones verstarb 1985 mit 66 Jahren.

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