DOI: 10.1515/spircare-2026-0054 ISSN: 2193-3804

DIN SPEC 91494 – Spiritual Care im Gesundheitswesen Eine teilhabepolitische Betrachtung

Stefan Sandor

Zusammenfassung

Die DIN SPEC 91494 „Spiritual Care im Gesundheitswesen“ (Veröffentlichung 2026) legt erstmals einen strukturierten Qualitätsstandard für die spirituelle Begleitung kranker und pflegebedürftiger Menschen vor. Die vorliegende Analyse würdigt das Dokument aus teilhabepolitischer und praxisnaher Perspektive. Als Stärken werden besonders die konzeptionelle Redlichkeit des Standards (das ausdrückliche Verbot, Spiritual Care zu instrumentalisieren, sowie die Anerkennung ihrer Unverfügbarkeit), die Verankerung im bio-psycho-sozialen Modell der ICF und der UN-BRK, die praktische Handhabbarkeit über den PDCA-Zyklus sowie die durchdachte Dokumentations- und Fehlerkultur hervorgehoben. Die enge Verwandtschaft zwischen Spiritual Care und einer teilhabeorientierten Haltung – Augenhöhe, Perspektivenübernahme, gemeinsame Verantwortung – bildet den roten Faden der Betrachtung. Als Weiterentwicklungsbedarf werden drei Punkte benannt: die bislang vor allem auf den Klinikkontext beschränkte Ausarbeitung mit geringer Berücksichtigung der Eingliederungshilfe, die wenig explizite Berücksichtigung von Mehrfachzugehörigkeiten (etwa Behinderung und Migration) und die fehlende strukturelle Beteiligung von Menschen mit Behinderung als Expertinnen und Experten in eigener Sache. Das Fazit fällt klar positiv aus: Der Standard ist teilhabepolitisch anschlussfähig und verdient breite Rezeption – in der Versorgung ebenso wie in der Aus- und Fortbildung sozialer Berufe.

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