„Die suchen sich ihre Schäfchen schon aus“
Nora JehlesZusammenfassung
„Die suchen sich ihre Schäfchen schon aus“ – mit dieser Formulierung bringt ein interviewter Jugendhilfeplaner ein zentrales Spannungsverhältnis der Kindertagesbetreuung auf den Punkt: Kommunen tragen die Gewährleistungsverantwortung für ein bedarfsgerechtes Angebot, haben im trägerpluralen System jedoch nur begrenzte Steuerungsmöglichkeiten gegenüber autonomen freien Trägern.
Der Beitrag versteht Kita-Segregation daher nicht nur als ungleiche Verteilung von Kindern mit Benachteiligungsmerkmalen über Einrichtungen, sondern als sozialpolitisches Governance-Problem. Untersucht wird erstens, in welchem Ausmaß trägerspezifische Segregationsmuster auf kommunaler Ebene in Deutschland auftreten, und zweitens, wie Akteure der Jugendhilfeplanung diese Muster wahrnehmen sowie einordnen und welche Handlungsspielräume sie in ihrer Bearbeitung sehen.
Empirisch basiert der Beitrag auf einem sequenziellen Mixed-Methods-Design: Eine Sekundäranalyse der Kinder- und Jugendhilfestatistik kartiert die Verteilung von Kindern mit Migrationshintergrund über Trägerarten in Jugendamtsbezirken. Darauf aufbauend werden sechs Expert*inneninterviews mit Jugendhilfeplaner*innen in Nordrhein-Westfalen (NRW) kontrastierend ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale und trägerspezifische Unterschiede. In vielen Kommunen weisen öffentliche Einrichtungen die höchsten Anteile von Kindern mit Migrationshintergrund auf, während andere Träger weniger stark betroffen sind. Gleichzeitig variiert das Wissen kommunaler Akteure über diese Muster erheblich. Trägerautonomie, Platzmangel, begrenzte Datengrundlagen und unklare Verantwortlichkeiten schränken die Steuerungsfähigkeit der Kommunen trotz ihrer formalen Gewährleistungsverantwortung ein.