Das Gerücht und die Muster der Macht
Felix BergeAbstract
Gerüchte waren eine Herausforderung für das nationalsozialistische Herrschaftssystem. Sie stellten das postulierte Informationsmonopol infrage und kursierten jenseits der Regimeöffentlichkeit. Deshalb verfolgte das Regime Gerüchtemacherei und bekämpfte vermeintlich oder tatsächlich falsche Informationen. Zugleich nutzten die Propagandisten der Diktatur selbst „Mundpropaganda“ und mobilisierten informelle Kommunikation durch eigene Impulse. Erkannten sie Gerüchte als nützlich und mit Ideologie, Politik und Propaganda kompatibel, ließen sie solche Informationen laufen. Im Krieg kam es zu Adaptionsversuchen und Lernprozessen. Felix Berge untersucht diese Muster der Macht und entwickelt eine Typologie nationalsozialistischer Herrschaftspraktiken im Umgang mit informeller Kommunikation.